Geringswalde - vom Leineweberstädtchen zur Stuhlbauerstadt

Geringswalde war bis weit in das 19. Jahrhundert ein Leineweberstädtchen. Lange Zeit war das Ergebnis der „Flachsbitte“ Teil der Einnahmen des Pfarrers. Am „Hirtenberg“ haben sich bis zur heutigen Zeit „Leineweberhäuser“ erhalten. Charakteristisch für diese Häuser sind die großen Fenster über die gesamte Hausfront. Das durch sie einfallende Sonnenlicht lieferte die Beleuchtung für die Webstühle.  Zeitweise gab es in Geringswalde bis zu 250 Meister in der Weberinnung. 1912 waren es schließlich nur noch 5. Aber auch diese übten ihr Handwerk nicht mehr aus. Die Stadt hatte sich zwischenzeitlich vom verschlafenen Leineweberstädtchen zur kleinen Industriestadt gewandelt.

1862 machte sich August Ettig als Stuhlbauer selbständig und begründete damit eine Tradition, die bis in die heutige Zeit reicht.  Auch der Werkzeugbau hat in Geringswalde große Tradition. 1972 konnte man mit Stolz auf eine 100jährige Entwicklung der Werkzeugindustrie zurückschauen.

Weit über Deutschland hinaus bekannt war Geringswalde einst durch die Fertigung von Bijouteriewaren. In der Firma Hammer arbeiteten Anfang des Jahrhunderts bis zu 200 Beschäftigte in jener Branche. Mit der Herstellung von Golddublee gelang es ihnen sogar, die französischen Konkurrenten vom Weltmarkt zu verdrängen.  

Geringswalde verändert sein Gesicht

Noch heute ist in Geringswalde der Name des Ersten Berufsbürgermeisters Oswald Goldammer gut bekannt. In den Jahren 1882 bis 1913 verstand er es ausgezeichnet, die Industrie des Ortes zu fördern. Er hat auch wesentlichen Anteil daran, dass 1889 bis 1893 die Eisenbahnlinie von Waldheim nach Rochlitz über Geringswalde gebaut wurde.  Unter seiner Regentschaft entstand das im wesentlichen heute noch die Stadt prägende Bild: Die 1890 geweihte neugotische Kirche und das 1905 im Jugendstil errichtete Rathaus mit seinem 45 m hohem Turm im Jugendstil.

Das Gebäude der jetzigen Diesterwegschule (Grundschule) wurde 1894 im Stile der italienischen Renaissance errichtet. Und auch die Mietshäuser an der „oberen“ Dresdener Straße und in der Bahnhofstraße sowie das Wohngebiet südlich des Großteiches stammen aus jener Zeit.

Da das Aufblühen der Industrie konträr gegenüber den sich kaum verbessernden Lebensbedingungen der Arbeiter stand, erschütterten mächtige Arbeitskämpfe, vor allem des Holzarbeiterverbandes, in den Jahren 1906 und 1923 die Stadt.

In den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts erlebte Geringswalde zwar einen wirtschaftlichen Aufschwung – aber gleichzeitig den sozialen Niedergang. Gerade in der traditionellen Stuhlindustrie gab es reihenweise Konkurse. Schleichend kam auch in Geringswalde die Nacht des Faschismus.

Es begann mit dem Bau der „Stadtrandsiedlung“ im Nordwesten des Ortes; es gab – wie vielerorts auch – „Eintopfsonntage“, „Löffelspenden“ und „Pfundsammlungen“. In der Folge  wurde die Stadtverwaltung aufgelöst und die demokratischen Parteien wurden verboten. Das Lokalblatt des 1868 gegründeten „Geringswalder Wochenblattes“ trug ebenfalls nicht unwesentlich dazu bei, die Menschen auf den Krieg vorzubereiten. In den Jahren 1939 bis 1945 verloren Hunderte Geringswalder ihr Leben. 

Geringswalde vom Neuanfang bis zur friedlichen Revolution

Mai 1945 – der Krieg ist endlich vorbei. Auch Geringswalde versucht einen Neuanfang. Nicht alles gelang sofort, manches nie; doch die Geringswalder gaben nicht auf.

1949 wurden Klostergeringswalde und Hilmsdorf, da zwischen diesen Orten und Geringswalde schon lange keine Grenze mehr erkennbar war, in die Stadt Geringswalde eingemeindet.

1953 entstand das weit und breit erste Landambulatorium. Kinderkrippen, -gärten und drei Feierabendheime wurden errichtet. Im Jahre 1987 übergab man voller Stolz den Busbahnhof. Das Geringswalder Freibad gibt es bereits seit dem Jahre 1926.

Geringswalde im vereinten Deutschland

Das Stadtbild von Geringswalde zeichnet sich heute durch unterschiedliche Bebauungs- und Nutzungsstrukturen aus. Diese bestehen zum einen aus dem strengen Gefüge  der historisch „gewachsenen“ Wohn- und Mischgebiete und zum anderen aus der aufgelockerten Anordnung der eher moderaten Wohnblöcke der Plattenbaubereiche. Die Stadtansicht wird aufgelockert durch zahlreiche Eigenheimstandorte. Ausreichend Bauplätze stehen sowohl im Stadtgebiet selbst als auch in den Ortsteilen zur Verfügung.  Die historisch gewachsene Wirtschafts- und Stadtstruktur von Geringswalde ist durch  industrielle Gewerbebereiche  aus der Jahrhundertwende geprägt. Teile dieser Bereiche liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnnutzungen. Dadurch konnten einige Gebäude schon einer Umnutzung für  altenbetreutes Wohnen zugeführt werden, während andere noch für mögliche Investoren bereitstehen. Die nicht mehr genutzten Freiflächen dieser Gewerbebrachen bieten Potentiale für neue Nutzer, da die vorhandenen Bauflächen teilweise gut erschlossen sind und die vorhandene Infrastruktur mit Einschränkungen noch genutzt werden kann. Während früher die Stuhlproduktion dominierte, bestimmen jetzt vorwiegend Betriebe der Metallverarbeitung das Industrieprofil der Stadt. Des weiteren wurden zwei neue Gewerbegebiete erschlossen. Im südlichen Bereich befindet sich das 30,1 ha große Gewerbegebiet „Arraser Straße“, in dem noch 13 ha unbebaut sind. Direkt an der B 175 vor dem Ortsteil Altgeringswalde liegt ein erweiterungsfähiges Plangebiet. Dort möchte die Stadt weiteren Dienstleistungs- und Handelsunternehmen, die vor allem auch auf einen kundenwirksamen Standort angewiesen sind, Möglichkeiten zur Ansiedlung geben. Zusätzliche Flächen sind in Vorbereitung. Die Infrastruktur der Stadt Geringswalde ist gut entwickelt.  Neben Kindereinrichtungen und Grundschule gibt es ein ausreichendes Angebot von Handel und Handwerk sowie Ärzten und Apotheken.